• johanna

Herzschmerz: Lost without Lu

Wie einem hungrigen Hund warf er mir immer wieder kleine Vielleicht-Liebe-Krümel zu: “Treffen wir uns, um zu sehen, wo wir stehen.” “Du bist meine beste Freundin.” “Manchmal habe ich auch das Gefühl, wir sind füreinander bestimmt.”


Liebeshungrig hörte ich auf diese Halbwahrheiten und ignorierte die dahinter steckende Ganzwahrheit: “Ich liebe dich, doch ich sehe nicht, dass wir wieder zusammen kommen.” “Es ist nichts Ernstes, doch ich treffe manchmal eine andere Frau.”



Lu - den ich in meinem Handy so speicherte - nie den ganzen Namen, weil ich mir nie sicher war, ihn ganz zu haben. Nur das Etwas, zwei Buchstaben, die all meine tiefen Sehnsüchte beherbergten. Lu, der Mann, dessen Stimme mich ruhig werden ließen. Lu, dessen Worte mir Mut machten, wenn ich hoffnungslos war. Lu, in dessen Armen ich Geborgenheit und Vertrauen fand. Lu, der mir in einer Nachricht schrieb: “Ich werde Vater”. Und ich bin nicht die Mutter.


So liege ich wieder in meinem Scherbenhaufen. Klirr: Mit einem Satz zerbrach mein Konstrukt aus Möglichem-Schönem, aus Endlich-auch-ich, aus Es-wird-gut. Ich erinnere mich, wie du in unserer glücklichen Zeit zu mir sagtest, du wünscht dir ein Kind von mir. Eine kleine Sophie. Wie du weintest, weil du mich so liebtest. Wie du mich angelächelt hast, weil ich mit dir glücklich war. Wie wir in uns zerflossen und eins wurden.


Ich drehe und wende die Scherben und neue Bilder blicken mich an: Du mit deinem Baby, wie du es liebevoll anblickst, weil es wundervoll sein wird. Du als Vater voller Stolz, weil du dein Kind lieben wirst. Du mit einem Lächeln für eine andere Frau, weil sie dir dein Kind schenken durfte. Ich, wieder einmal am Boden, hoffnungslos. In mir die Stimme, die schreit: "Ich hasse dich!" Die fleht: "Verlass mich nicht."


Du wolltest mich nicht, doch verlieren wolltest du mich auch nicht. So nisteten wir mich beide in deinem grauen "Etwas" ein. Das starke "Vielleicht" ließ mich dort überleben. Das "Irgendwann" nährte mich und verdrängte das "Aber nicht jetzt". Ich fragte nach der Wahrheit, die Sehnsucht danach war eben so groß wie die Angst davor. Du wolltest mich nicht verletzen, nicht verlieren und insgeheim spürten wir, es wird passieren. Ich wusste nur nicht, dass es so weh tun würde.


Salzige Tränen steigen in mir auf und beschreiben mein inneres Meer an Trauer und Wut, Ohnmacht. Pulsierend und in starken Wellengängen fließt der Schmerz durch meinen Körper mit der Gewissheit: Ich kann nichts mehr machen. Ich habe dich verloren. Und durch dich verliere ich auch zu einem Teil mich. Meinem inneren Friedhof an begrabenen Träumen füge ich einen weiteren zu: Mit dir glücklich werden.


Mühsam schleppe ich mich ins Badezimmer. Jeder Schritt, jede Bewegung fühlt sich so schwer und sinnlos an. Mein Spiegelbild blickt mich traurig an. Die großen Augen sind vom Weinen gerötet. Die Hände umklammern das Waschbecken, das mir ein wenig Gefühl von Halt gibt. Ich seufze tief.


"Auch das werden wir überleben", sagt mein Verstand.


"Ich weiß", sagt mein Herz. "Doch muss es immer so weh tun?"