Beziehung & Borderline: Freundschaft

Auf der folgenden Seite beantworte ich die meist gestellten Fragen über Borderline und Beziehungen - hier geht es um Freundschaften. Falls ihr bezüglich festen Beziehungen mehr wissen wollt, lest auf Beziehung und Borderline: Liebe weiter.

Im folgenden Text lest ihr

Unter Selbsthilfe für BPD findet ihr DBT-Skills bei Anspannung und den Notfallkoffer sowie eine Skills-Liste für Borderline - ebenso Anlaufstellen in Krisen

Wie verhalten sich Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung bei einer Beziehung zu Freunden?

 

Beziehungen zu Freunden sind für Personen mit dieser Persönlichkeitsstörung sehr schwierig. Sie leben oft in Extremen, wünschen sie Nähe und Liebe sehr, fürchten gleichzeitig Verlust, Ablehnung und das Gefühl des Verlassenseins. Durch diesen inneren Kampf von extremen Gefühlen, haben sie oft schnelle und starke Schwankungen. Zu Beginn einer Beziehung idealisieren sie ihr gegenüber oft (Sehnsucht nach Nähe) - wird es nah und echt, können viele Ängste aktiviert werden:

  • Angst vor dem Verlassen werden

  • Angst vor Ablehnung

  • der Partner könnte das “wahre” Gesicht sehen

  • enorme Selbstzweifel aufgrund eines instabilen Selbstbilds sowie Selbsthasses

Ist ein Mensch mit Borderline-Persönlichkeitsstörung in einer Akut-Situation, beschreibe ich im Blog in 5 Schritte Borderline-Krisenintervention, wie man Betroffenen helfen kann.

 

Was ist eine Dissoziation?

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben oft ein Gefühl von innerer Leere - ihre Gefühle wechseln schnell, sind instabil. Im Extremfall dissoziieren Betroffene: Sind Gefühle unerträglich, spalten sie das Erleben vom Bewusstsein ab. Manche beschreiben dies als schweben über sich selbst, als beobachten sie sich selbst. Manche fühlen sich in diesem Zustand sich selbst fremd, dies nennt man “Depersonalisation”.

 

“Derealisation” bedeutet, dass ihnen ihre Umgebung sureal vorkommt. Von außen sind diese Zustände selten erkennbar, sie sind Ausdruck tiefer Zerrissenheit und Unsicherheit

 

Im dissoziativen Zustand sind Betroffene völlig inaktiv: Sie bewegen sich sowie sprechen kaum oder gar nicht.

Mit DBT-Skills und dem Skills Notfallkoffer sowie eine Skills Liste für Notfälle - eine App, die DBT-Skills bei Borderline unterstützt beschreibe ich unter Apps - helfen Betroffenen zunehmend, achtsam und bewusst zu leben.

Welche Probleme haben Menschen mit Borderline in Beziehungen?

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung haben bei Beziehungen Angst vor dem Alleine sein. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, sich in soziale Gruppen einzufügen. Betroffenen fehlen meist folgende Eigenschaften, die wichtig für soziale Beziehungen sind:

  • sie vertrauen nur sehr schwer und sehr selten

  • sie können nur schwer allein sein, weswegen sie zu “Klammern” tendieren

  • es fällt ihnen schwer, Gefühle und Absichten anderer zu deuten

  • können ihre Wirkung auf andere schwer selbst einschätzen, merken zum Beispiel die Intensität der Stimmungsschwankungen nicht

  • vorübergehende Konflikte triggern Angst vor Verlassenwerden

  • unterschiedliche Meinungen werde als Verrat interpretiert

Die große Angst davor, verlassen oder verstoßen zu werden, führt dazu, dass sich Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung an Menschen klammern, nur um nicht alleine zu sein. Dadurch bedingen sie aber genau das Gegenteil: Ihrem Gegenüber wird es zu eng und es sucht Abstand / Distanz.

 

Zusätzlich empfinden Personen mit BPD (Borderline Personality Disorder) diese Nähe wiederum als gefährlich und stoßen "zu nah gekommene" aus Angst vor erneuter Verletzung weg.  Besonders schwierig ist dies in romantischen Beziehungen für Betroffene von Borderline, da eine "Ich hasse dich, verlasse mich nicht"-Dynamik entsteht. 

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Warum zerstört eine Person mit Borderline Beziehungen, die ihr etwas bedeuten? (Verhalten Trennung)

Besonders enge Freunde und Partner bekommen sehr viel der inneren Spannungen von Menschen mit Borderline ab. Man weiß nie genau, wann Betroffene “explodieren”, sie wechseln abrupt von Zuneigung zu Ablehnung bis hin zu Trennung. Wutanfälle können sehr destruktiv sein und darauf abzielen, den Partner zu verletzen.

 

Betroffene machen dies, eben WEIL ihnen die Beziehung etwas bedeutet. So sehr sie sich Nähe wünschen, so sehr macht ihnen emotionale Abhängigkeit Angst. In der Kindheit waren Menschen mit Borderline oft schutzlos ausgeliefert, ohnmächtig - sie kennen keine sichere Bindung. Diese unangenehmen Gefühle versuchen sie mit aller Kraft zu vermeiden. Projektionen auf aktuelle Partnerschaften und Trigger rufen immer wieder alte Gefühle hoch, Aggression und Wut sind Mittel, um sich aus dieser Ohnmacht zu befreien.

 

Verhalten bei der Trennung: Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung machen lieber selbst alles kaputt - so weh das tut, als unerwartet verlassen oder verletzt zu werden. Das gibt ihnen immerhin noch ein Gefühl von Kontrolle - statt der beängstigenden Ohnmacht. Läuft eine Beziehung gut, erweckt das Misstrauen, die “Ruhe vor dem Sturm” - sie kennen das Gefühl des Geliebtseins nicht und vertrauen nicht darauf, jemand könne sich wirklich für sie interessieren. 

Was bedeutet Co-Abhängigkeit in der Beziehung mit Menschen mit BPD

Die enormen Gefühlsausbrüche und Schwankungen der Borderline-Erkrankten ist für Freunde oder auch Partner in Beziehungen bei Borderline oft nicht verständlich. Reagiert dieser abweisend oder zurückweisend, genervt, verschlimmert sich die Verlassensangst der Borderliner. Aggression, Despression, Selbstverletzung und destruktives Verhalten steigern sich, teilweise droht man mit Selbstmord.

 

So entsteht oft Co-Abhängigkeit: Um Schlimmeres zu vermeiden, macht der Partner alles für die erkrankte Person. Die eigenen Bedürfnisse werden ignoriert zum “Wohl” der Person mit Borderline. Diese Dynamik verstärkt die psychische Erkrankung und ist auf Dauer sehr schädlich für beide.

Warum manipulieren Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Betroffne einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben ständig Angst, man würde sie nicht mögen und sie werden ausgeschlossen. Diese Unsicherheit führt dazu, dass sie beginnen, ihr Gegenüber zu testen. Sie beginnen zu manipulieren und kreieren Drama. Sie bekommen dafür Aufmerksamkeit und schaffen es oft, das Gegenüber in den eigenen Sog hinein zu ziehen.

 

So entstehen toxische Beziehungen mit einer emotionalen Abhängigkeit. Menschen mit Borderline wissen, wo sie andocken müssen, wo unverarbeitete Wunden sind, wie sie das Selbstbewusstsein des Gegenübers schwächen.

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Kann eine Person mit Borderline-Störung bereuen?

Ja. Aufgrund der schweren traumatischen Erlebnisse, die viele Borderline-Erkrankte oft in früher Kindheit erfuhren, ist das ganze Denken und Handeln darauf ausgerichtet, Bedrohung und Verletzung zu entkommen. Dabei haben sie oft destruktive Verhaltensweisen, die von außen nicht verstanden werden, als “seltsam” eingestuft werden.

 

Enorme Angst und Anspannung bedingen hauptsächlich die drei Verhaltensweisen: Flucht, Angriff, “Totstellen”. Nach dem Abklingen der Extremen Gefühle, bereuen viele jedoch ihre eigenen Reaktionen.

 

Borderline-Beziehung: Wie gehe ich mit einem Borderliner um? (instabile Borderline-Beziehung retten)

Die Persönlichkeitsstörung kann sich mindern, verletzte Teile können heilen - die Borderline-Beziehung können Betroffene retten und wieder aufbauen. Dies benötigt oft jahrelange Therapie und den Mut, dort hinzusehen, wo es weh tut. In einer Beziehung mit Borderlinern muss man sich den Herausforderungen bewusst sein und wissen, dass ein Funktionieren viel Arbeit benötigt. Der Partner muss dabei vor allem:

  • informieren: Wenn Sie merken, dass Ihr Gegenüber Borderline haben könnte, informieren Sie sich. Umso mehr Sie über die Erkrankung wissen, umso besser können Sie damit umgehen. Sie können unterscheiden, was ist die Person, die Sie lieben und was ist die Krankheit. 

  • auf sich schauen: die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu achten, ist unbedingt notwendig! Bewusst Freiräume und Auszeiten zu schaffen, auch wenn dies auf heftige Reaktionen stoßen kann, ist wichtig.

  • Ruhig bleiben, nicht manipulieren lassen: Gerade, wenn man sich diese Auszeiten schafft, kann es auf Gegenwehr stoßen, auf Beziehungsabbruch oder Androhungen davon. Eine gelassene Reaktion, nicht hineinziehen lassen, nicht auf die Instabilität der Borderline-Betroffenen einzusteigen führt oft dazu, dass sich die Person mit Borderline schneller wieder beruhigt. 

  • Regeln: Feste Regeln können sehr helfen, um klare Grenzen zu stecken. Außerdem geben sie der erkrankten Person einen Halt und Sicherheit, sie kann sich darauf einstellen. So schaffen Regeln Sicherheit für beide Beteiligten.

  • Therapie unterstützen: Sie können der Person mit Borderline nicht alleine helfen und als Partner sind Sie emotional zu sehr involviert. Eine Therapie ist oft unabdingbar - motivieren Sie Ihr Gegenüber dazu. In der Therapie lernen Betroffene mit Spannungen umzugehen, über ihre inneren Zustände zu reden. 

  • Sicherheit und Abgrenzung: Da Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung so große Angst vor dem Verlassenwerden haben, brauchen Sie das Gefühl von Sicherheit von ihren Freunden oder ihrem Partner. Mit ihren extremen Verhalten schreien Betroffene oft nach Aufmerksamkeit. Zeigen Sie, dass Sie da sind und hier bleiben - zeigen Sie aber auch, dass Sie sich so (z. B. bei Wutanfällen) nicht behandeln lassen, ziehen Sie Konsequenzen. So weiß die erkrankte Person, woran sie ist und lernt zu vertrauen.

  • Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit geregelten Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und Bewegung helfen bei möglichen Suchterkrankungen und weiteren Symptomen der Borderline-Krankheit.

 
 

Sind Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung beziehungsunfähig?

Dieses Stigma ist vorherrschend, auch Betroffene denken dies oft von sich selbst. Das Beziehungsverhalten kann aufgrund der "Ich hasse dich, verlasse mich nicht"-Züge von Menschen mit Borderline Syndrom schnell in eine On-Off Beziehung wechseln - sei es bei einer Freundschaft oder einer Beziehung. Trotz der großen Herausforderungen, sind Menschen mit Borderline jedoch nicht beziehungsunfähig.

 

Nach einer leidenschaftlichen Anfangsphase folgt oft eine emotionale und intensive Partnerschaft - diese kann jedoch gelingen. Mit einer psychotherapeutischen Begleitung, konstruktiver Kommunikation und Ehrlichkeit kann die Partnerschaft über die On-Off Dynamik hinauswachsen.

Sind Borderline Freundschaften von kurzer Dauer?

Krankheitsbedingte Angst vor dem Verlassen werden, macht es für Freunde sowie Liebespartner von Borderline-Betroffenen schwierig. Vertrauen aufzubauen ist für Betroffene schwierig, bereits kleine Anlässe lösen Fluchttendenzen wie Kontaktabbrüche aus.

 

Dennoch können Personen mit Borderline Beziehungen führen - es benötigt auch hier eine offene Kommunikation, Ehrlichkeit und ofbestenfalls professionelle Begleitung.

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Für weitere Infos lest gerne weiter auf der Seite Borderline und Beziehung in der Liebe.

 

Habt ihr die Vermutung, dass ihr von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen seid, macht den Selbsttest zu Borderline. Wichtig: Das Ergebnis ist keine Diagnose, kann aber ein Hinweis sein und fragt die Symptome der Persönlichkeitsstörung ab.

 

Unter Selbsthilfe für BPD findet ihr DBT-Skills bei Anspannung und den Notfallkoffer sowie eine Skills-Liste für Borderline - ebenso Anlaufstellen in Krisen

Alles Liebe,
eure Johanna