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Borderline & Beziehung: 6 Tipps für Angehörige - Teil 1

Freund:innen, Eltern, Kinder, Arbeitskolleg:innen, Nachbar:innen: Angehörige einer Person mit Borderline fühlen sich in der Beziehung oft überfordert.


Wichtig: Die folgenden sechs Tipps beschreiben was mir, mit meiner Borderline-Erkrankung und meinem Umfeld half - ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit!




Wie eine Beziehung mit Betroffenen der Borderline-Persönlichkeitsstörung erfüllend sein kann

Mittlerweile geht es mir gut, ich führe ein erfülltes Leben und mache sehr viel aufklärende Arbeit über die Borderline-Erkrankung und psychische Erkrankungen – besonders in der Arbeit mit Angehörigen, Stichwort Borderline & Freundschaft sowie Borderline & Liebe bei Partner:innen. Viele Angehörige fragen mich: „Darf ich Nein sagen, wenn ich Angst haben muss, dass er/sie sich dann selbst verletzt?“, „Bin ich Schuld an allem – was habe ich falsch gemacht?“, „Ich mache alles für meinen Sohn, was kann ich noch tun?“


Da geht es wirklich vielen gleich. Ohnmachtsgefühle, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Trauer und auch Wut können alltägliche Gefühle für Eltern sein. Ich habe ganz viele Tipps, den gemeinsamen Umgang zu erleichtern und eine stabilere Beziehung zu führen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, benenne ich hier meine 6 wichtigsten.


Du möchtest noch mehr Tipps und Infos? In meinem Büchlein zu Beziehungen findest du meinen Ratgeber verpackt in eine leicht verständilche und anschauliche Geschichte!



1. Informieren Sie sich über die Borderline-Persönlichkeitsstörungen

Je besser Sie über die Krankheit informiert sind, umso besser können Sie sie erkennen. Viele Dinge, über die man sich bei Betroffenen ärgert, sind Symptome der Erkrankung, wie beispielsweise die emotionale Instabilität – „Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt“ innerhalb kürzester Zeit. Einem Menschen mit gebrochenem Fuß und Gips wirft man nicht vor, dass er langsamer läuft. Auch bei ist es bei Borderline wichtig, die jeweiligen Symptome zu kennen. Nach einem starken Wutanfall von mir sagte meine Schwägerin: Wir sehen dich, das liebenswerte, und wir sehen die Krankheit – die immer wieder schreit und sehr verletzend ist.


Ich musste weinen, denn endlich sah jemand, dass ich nicht böswillig handle, sondern noch keine konstruktiven Strategien für meine Spannungen gefunden hatte. Es ist wichtig, den wertvollen Mensch hinter der Krankheit zu sehen – der Unterstützung und Verständnis benötigt. Noch ein Tipp: Verwenden Sie unbedingt seriöse Quellen zur Information!


2. Setzen Sie Grenzen

So wichtig es ist, Verständnis für die Symptome zu zeigen, so wichtig war es für mich gleichzeitig, dass mein Umfeld der Erkrankung Grenzen setzte, um den Mensch, das Liebenswürdige, in mir zu fordern. Mein bester Freund sagte zu mir beispielsweise: „Borderline ist kein Zertifikat, dass dich für dein Handeln entschuldigt.“ Ich war in schwierigen Phasen sehr verletzend – mir selbst und anderen gegenüber. Meine Freund:innen signalisierten mir: „Wir sind da, doch wir möchten uns so nicht behandeln lassen.“


Konkret sah das beispielsweise so aus: Hatte ich einen Wutanfall und ließ meine Spannungen am Gegenüber aus, war das unbeschreiblich verletzend für diese Person. Sie sagte: "Was du sagst, verletzt mich. Du bist mir wichtig, doch das tut mir weh. Lass’ uns in einer Stunde reden, wenn wir uns wieder abgekühlt haben." Zuerst schrie ich noch wilder, weil meine tiefe Angst "Ich bin unzumutbar", "Ich verletze alle", "Niemand will mit mir zu tun haben, alle wenden sich ab", und somit "Bevor du mich verletzt, verletze ich dich!", alarmiert war. Da ich jedoch keine Reaktion darauf bekam und die Person das Zimmer verließ, beruhigte ich mich nach einer gewissen Zeit.


Schuldbewusst klopfte ich nach einer Stunde am Zimmer, um mich zu entschuldigen. Die Person antwortete: "Ich sehe, dass es dir Leid tut und das schätze ich." Wenn es für Sie passt, dann bieten Sie jetzt die Möglichkeit, in Ruhe darüber zu reden - wenn möglich: ohne Schuldvorwürfe, ohne Beurteilung, sondern um gemeinsam zu verstehen und zu lernen. Merken Sie, dass Sie im Moment zu verletzt sind, könnten Sie sagen: "Gleichzeitig hat mich das sehr verletzt und ich brauche einen Tag Abstand, um damit wieder klarzukommen." Die wichtigen Schritte waren hier:

nicht auf meinen Angriff eingehen und authentisch kommunizieren: "Das tut weh."

  1. nicht auf meinen Angriff eingehen und authentisch kommunizieren: „Das tut weh.“

  2. Anerkennen und Wertschätzen: „Ich sehe dein Leid und schätze deine Entschuldigung.“

  3. Gemeinsam versuchen zu verstehen und lernen

  4. Handlung und Zeitspanne transparent erklären: „Ich brauche Zeit für mich, gib mir bitte einen Tag."

→ Die Person grenzt sich von der Symptomatik meiner Erkrankung ab, bleibt aber in Beziehung mit mir als Mensch und erklärt genau, was und wie lange etwas passiert. Das gibt mir Sicherheit.


Mehr über Borderline & Beziehungen finden Sie hier:  Borderline-Erkrankung, Arbeit mit Angehörigen, Stichwort Borderline & Freundschaft sowie Borderline & Liebe bei Partner:innen. 




3. Validierende Grundhaltung:


Personen mit Borderline spüren oft sehr viel – ob das Gegenüber schlecht gelaunt ist, eine Spannung in der Luft liegt oder jemand traurig ist. Oft erlebten sie dahingehend Invalidierungen, wie beispielsweise: „Nein, das bildest du dir nur ein“, Tu nicht so, jetzt reiß dich zusammen – es ist nicht schlimm“, oder „Du übertreibst mal wieder.“ Das führt dazu, dass Betroffene ihren eigenen Gefühlen und ihrer Wahrnehmung nicht mehr trauen.


Bereits vorhandene, schmerzhafte Verinnerlichungen wie „Ich bin zu viel“, „Ich übertreibe“ werden verstärkt und führen zu einer erhöhten Spannung. Einerseits fühlen sie ganz klar etwas, sind dadurch verunsichert, und andererseits wird das von außen sowie innen abgetan. Etwas zu „validieren“ heißt nicht, etwas gutzuheißen. Es bedeutet, die Gefühle, Gedanken oder Erfahrungen einer Person anzuerkennen bzw. zu akzeptieren, ohne sie zu beurteilen oder zu kritisieren.


Beispielsweise: Die betroffene Person steht schreiend und weinend vor ihnen – alles sei zu viel, überall müsse sie helfend einspringen, könne eh schon nicht mehr schlafen und niemand schaue auch ‘mal auf die Person. Das ärgert Sie möglicherweise, da Sie ja nichts dafür können. Sie validieren also nicht „Es ist okay, dass du mich anschreist und deinen Frust an mir auslässt“, denn das ist es nicht. Aber Sie validieren das Gefühl, den Zustand: „Ich kann nachvollziehen, dass der Tag für dich stressig war und du jetzt gereizt bist“, „Wenn ich das Gefühl hätte, dass niemand auf mich schaut, wäre ich auch verletzt und gekränkt“ oder, „Du musst grad echt viel aushalten.“


In diesem Moment sieht sich die Person in ihrem Leid gesehen, was die intensive Emotion (z. B. Frust, Ärger, Überforderung) abschwächen kann. Im nächsten Schritt, wenn sich die Person beruhigt hat, könnten Sie dann wieder eine Grenze ziehen: „Ich kann nachvollziehen, dass dir gerade alles zu viel war. Solche Situationen kenne ich auch. Es ist für mich aber nicht okay, wenn du mich so anschreist. Welche Möglichkeiten gibt es / was kann man verändern, damit wir ruhiger miteinander reden können?"


Du möchtest noch mehr Tipps und Infos? In meinem Büchlein zu Beziehungen findest du meinen Ratgeber verpackt in eine leicht verständilche und anschauliche Geschichte!


 

Beziehung & Borderline: Gemeinsames Gespräch und weitere Tipps in Teil 2

Ich hoffe, meine Tipps helfen dir. Wenn du möchtest, kannst du mich für ein entgeltliches, gemeinsames Info-Gespräch kontaktieren unter i-borderline@gmx.at. Weitere Tipps erhältst du im nächsten Beitrag, dem Teil 2.


Alles Liebe,

Johanna




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