Was ist eine
Borderline-Persönlichkeitsstörung

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Leben heißt nicht, zu warten bis der Sturm vorüberzieht, sondern zu lernen,

im Regen zu tanzen.

(unbekannt)

Mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leben

Um lernen zu können mit Borderline zu leben, las ich alles darüber, was mir in die Finger kam. Hier muss ich darauf hinweisen, dass es nicht darum geht, weitere Symptome zu finden und noch tiefer in die Erkrankung hinein zu schlittern - da spreche ich aus Eigenerfahrung. Es geht darum, zu verstehen, was in uns abläuft und warum.

Habt ihr die Vermutung, dass ihr von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen seid, macht den Selbsttest. Wichtig: Das Ergebnis ist keine Diagnose, kann aber ein Hinweis sein und fragt die Symptome der Persönlichkeitsstörung ab.

BPD (Boderline Personality Disorder): Fragen und Antworten

 

Es war für mich anfangs beinahe eine Erleichterung, die Diagnose zu bekommen, weil nicht ich "abartig" war, es war tatsächlich eine Störung. Damit konnte ich besser arbeiten. Ich begann Therapien, ich beobachtete mein Verhalten, ich las über Symptome und lernte zu unterscheiden: Ich - Borderline.

 

Rastete ich aus, versuchte ich im Nachhinein herauszufinden, was genau passiert war und merkte ein Muster: Überforderung - diese nicht ernst nehmen - Anspannung - noch mehr Anspannung - Explosion.

 

Hatte ich das verstanden, versuchte ich die Auslöser für dieses Muster zu identifizieren und Schritt für Schritt zu verändern. So konnte ich durch Beobachten und Verstehen langsam besser damit umgehen.

 

Hier beantworte ich die Fragen, die ich immer wieder hörte und las, das sind folgende:

Die folgenden sind alle recherchiert - Quellen sind ganz unten angefügt.

Zusätzlich ergänze ich immer noch meine eigene Empfindung

Borderline-Störung: Was ist es?

 

Ich dachte immer, Borderline - übersetzt “Grenzlinie” - sei deswegen die Bezeichnung, weil ich stets Grenzen überschritt oder zwischen Leben und Tod wandelte. Der Name Borderline-Persönlichkeitsstörung entstand aber, da die Symptome der Betroffenen in einen Übergangsbereich aus neurotischen und psychotischen Störungen fallen.

 

Das emotionale Gleichgewicht von Borderlinern gerät schnell aus dem Gleichgewicht. Sie haben kaum Zugang zu Gefühlen und können sie schwer einordnen. Meist merken sie nicht, wenn sie etwas traurig macht oder ärgert, innerlich baut sich jedoch eine Anspannung immer größer auf. Angestaute Anspannung entlädt sich dann sehr plötzlich und ohne Rücksicht auf Folgen:

 

Überwältigende Aggression, Wut, Trauer bis hin zu Panik und Verzweiflung wirken auf das Umfeld irritierend und befremdlich. Menschen mit Borderline können die raschen Wechsel der Gefühle und ihre Impulsivität nicht kontrollieren, die Stimmungsschwankungen sind enorm. Betroffene gelten oft als unberechenbar, unzumutbar, aggressiv und launisch.

 

Mein Empfinden: 

Für mich fühlt/fühlte sich Borderline an, als würde ich Achterbahn fahren und kein Einwirken auf die Fahrt haben. Oder als explodiert in mir eine Bombe und in meinem Körper zerfetzt und zerreisst alles, doch ich kann nicht aus meinem Körper.

Das passiert in schnellen Wechseln und ist unglaublich erschöpfend. Meine plötzlichen Wutanfälle waren tatsächlich sehr schlimm. Ich entwertete auf sehr verletzendem Niveau und hinterließ ein Trümmerfeld.

 

Der Schmerz, weil ich nicht verletzen wollte, und die Einsamkeit danach waren kaum auszuhalten. Ebenso wie die entsetzten Gesichter, wenn ich einen "Anfall" hatte. Ich konnte direkt in der Mimik und Gestik lesen: "Was ist das für ein Monster?"

 
 
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Symptome von Borderlinern 

Die Symptome von Menschen mit BPD (Borderline Personality Disorder) sind nach dem DSM-IV (Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen):

 

  • extrem instabile Gefühlswelt, Stimmungen wechseln in kürzester Zeit

  • kein "Identitätsgefühl" - sich selbst nicht spüren / wahrnehmen

  • extreme innerliche Anspannung, die als unaushaltbar erlebt wird

  • hohe Impulsivität 

  • selbstschädigendes Verhalten, um Spannungen zu verringern 

  • innerliche Zerrissenheit und Leere

  • gestörtes Selbstbild und gestörte Körperwahrnehmung

  • extreme Angst vor dem Verlassenwerden

  • instabile Beziehungen

  • wiederholte Suiziddrohungen, -andeutungen oder –versuche

  • durch Stress bedingte Paranoia oder schwere dissoziative Symptome (z.B. Depersonalisieren, Flashbacks, Abgestumpftheit)

Nicht alle Betroffenen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind suchtkrank oder verletzen sich selbst. Meist treten die Störungsbilder jedoch gemeinsam auf. 

Mein Empfinden: 

Dieses mich-selbst-nicht-spüren war für mich ein großes Thema. Ich merkte wirklich nicht, wenn jemand meine Grenzen überschritt oder mich etwas traurig machte.

 

Rückblickend waren es kleine Stiche im Körper, die ich aber ignorierte. Ich verlor mich zunehmend - damit meine ich, ich wurde angespannter und gleichzeitig war ich nicht mehr in meinem Körper.

 

Meistens waren Auslöser für mein "Explodieren" dann Kleinigkeiten von den Menschen, die mir am nächsten standen. Einerseits wollte ich bei "Fremden" den guten Schein wahren und andererseits war ich bei nahe stehenden Personen noch dünnhäutiger.

 

Von einer Sekunde auf die andere, im einen Moment lächelnd aber angespannt, im nächsten Moment ein alles vernichtendes Monster. So nahm ich mich wahr. Auch mein Körperbild war immer gestört, ich fand mich immer zu dick und zu hässlich. Ich traute mich kaum auf die Straße, weil ich meinen Anblick anderen nicht zumuten wollte. Ich bin froh, dass ich durch Therapien für Borderline-Störungen und Bücher über Borderline lernen durfte, besser mit mir umzugehen und mich mehr zu akzeptieren.

 
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Wie kommt es zu der Persönlichkeitsstörung?

Einerseits spielt die Genetik eine Rolle. Neben der Veranlagung zählen auch schwere Traumata (wie Missbrauch, Misshandlung oder emotionale Vernachlässigung) in der frühen Kindheit zu den Auslösern. Stark widersprüchliche Aussagen und Gefühle der Eltern überfordern die Psyche von Kindern und begünstigen die Entstehung einer Persönlichkeitsstörung. Vernachlässigung lässt Kinder außerdem glauben, dass sie niemandem vertrauen können.

 

Doch auch in “normalen” Familien kommt es zu BPD (Borderline Personality Disorder). Forscher untersuchen, ob Borderliner hirnorganische Veränderungen aufweisen, beispielsweise sei die Emotionskontrolle bei Betroffenen im Gehirn schwächer ausgeprägt. 

Mein Empfinden:

Ich habe einige Traumata erlebt und aufgrund meiner Therapien verschiedene Menschen mit Borderline kennen gelernt.

 

Hier will ich betonen: Sieht man sie getrennt von der Störung ("Mensch" - "Boderline-Persönlichkeitsstörung") haben alle einen so liebenswürdigen Kern, Humor, Intelligenz, Kreativität und Lebendigkeit. Das berührte mich immer so sehr, weil ich wusste, welche Kämpfe auch sie innerlich hatten.

 

In Gesprächen bemerkte ich, dass wir alle ähnliche Erfahrungen hatten, die sehr oft mit massiven Grenzüberschreitungen sowie starkem, emotionalem und / oder körperlichem Missbrauch zusammen hingen.​​

 
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Sind Betroffene von BPD gefährlich?

Bei einer Borderline-Störung herrscht ein Schwarz-Weiß-denken vor: Entweder / oder, himmelhochjauchzend / zu Tode betrübt. Die hohe Impulsivität und gleichzeitige Risikobereitschaft, das Agieren ohne Rücksicht auf Folgen kann zu gefährlichen Situationen führen.

Mein Empfinden:

Ob Borderline für Mitmenschen gefährlich ist, kann ich nur von mir selbst und mit meiner Art von Borderline beantworten. In meinen höchsten Anspannungen hatte ich mich nicht mehr unter Kontrolle. Ich warf mit Gegenständen, bedrohte mein Gegenüber und hatte in diesen Momenten sehr gefährliche Gedankengänge. Doch nicht nur Mitmenschen sind hiervon betroffen, vor allem mir selber schadete ich stark. Mit Selbstverletzung und vermehrten Suizidgedanken, bewusstes Suchen von Gefahrensituationen hatte ich immer wieder Angst vor mir selber. Darum rate ich: Sucht euch Hilfe, zögert nicht. Borderline ist eine schwere Persönlichkeitsstörung, die wir ernst nehmen müssen.​

 
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Beziehungen und Borderline

Durch das gestörte Selbstwertgefühl, eine falsche Körperwahrnehmung und die gravierenden Auswirkungen von Borderline, sind Beziehungen für Borderliner sehr schwierig. Sie sind oft sehr unsicher. Der Wechsel zwischen Selbstliebe und Selbsthass sowie Idealisierung und Abwertung, bis hin zu Verachtung des Gegenübers, erfolgen meist spontan. Beziehungen sind für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht einfach.

 

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung suchen intensive Nähe, doch gleichzeitig ist genau diese auch bedrohlich. Personen mit BPD sind oft besitzergreifend und eifersüchtig, sie möchten den Partner ganz für sich. Sie haben massive Angst vor dem verlassen oder verraten werden. Diese Angst kann zwar unbegründet sein, doch schon kleinste “Fehler” kränken Betroffene und führen zu Misstrauen. Anfängliche Idealisierung und überhöhte Zuneigung wechselt nun rasant ins Gegenteil, von Vergötterung zu Hass.

Mein Empfinden:

 

Beziehungen sind für mich sehr schwierig. Ich mache nun seit fast zwanzig Jahren auf unterschiedliche Arten Therapie, doch Beziehungen sind meine Königsklasse.

 

Mittlerweile kann ich dankbar aufnahes Umfeld sehen und vertraue ihnen (das war sehr viel Arbeit, sehr viel!). Ich weiß, dass sie mich nicht verurteilen, wenn ich "borderlinig" bin - gleichzeitig weiß ich, dass es sie dennoch verletzt, wenn ich so bin. Ich versuche frühzeitig zu sagen, wenn mir etwas zu viel ist oder wenn ich allein sein muss.  

 

Ich sage auch, ich bin traurig und dann heule ich manchmal drauf los ohne genau sagen zu können, warum. In meinen Beziehungen habe ich sehr viel kaputt gemacht und sehr viel gefordert - manche Menschen verabschiedeten sich deshalb aus meinem Leben. Das schmerzte sehr, doch ich versuchte, daraus zu lernen. Ich bemühte mich um meine Beziehungen, denn sie trugen und tragen mich. Wenn jemand mir sagte, dass ich verletzend war, wenn sich jemand aus meinem Leben verabschiedete, überlegte ich: Was habe ich gemacht? Was war mein Anteil? Warum habe ich es gemacht und wie kann ich es ändern? 

 

Ich beobachtete mich, wann passieren diese Situationen? Sie kamen und kommen noch oft, doch mit jedem Mal lerne ich etwas dazu - so ist der Schmerz auch mein Lehrer. 

 

Auch schnelle Kontaktabbrüche prägten mein Beziehungsverhalten. Hier versuchte ich zunehmend, mich den Dingen zu stellen. Ich lernte: Selten ist es so schlimm, wie ich es mir in meinem Kopf vorstellte. Ich lernte, nicht mehr weg zu rennen und fand mehr und mehr Halt. Meine Beziehungen gewannen an Tiefe. ​Auf der Seite Beziehungen und Borderline: Liebe ​gehe ich nochmals genauer auf dieses Thema ein.

 
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Therapieformen für Menschen mit BPD

Damit eine Therapie für Menschen mit BPD erfolgreich ist, muss die Erkrankung in allen Aspekten erfasst und nach Wichtigkeit geordnet werden.

 

Gefährdende Muster wie Suizidalität oder Selbstverletzung müssen vorrangig behandelt werden und dementsprechend Therapievereinbarungen getroffen werden. Das sind klare Regeln, wie mit Krisen umgegangen wird.

 

Eine Kombination aus mehreren Therapieformen wie der Einzel- und Gruppentherapie sowie Krisenintervention kann sinnvoll sein. Zwar existieren keine Medikamente die speziell für Betroffene einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind, doch unterstützen Stimmungsstabilisierer, gewisse Antipsychotika und so genannte SSRIS bei zusätzlichen Angststörungen oder Depressionen.

 

Borderline kann mit Psychotherapie behandelt werden. Hier gelten die folgenden Therapieformen als sehr wirksam:

 

  • Die dialektisch-behaviorale Therapie integriert Methoden verschiedener Bereiche, wie das Achtsamkeitstraining, Zen, kognitive Therapie sowie Gestalt- und Hypnotherapie. Betroffene lernen je nach Anspannungsgrad verschiedene Übungen, “Skills”, anzuwenden. ​Durch diese Kontrolle beugen sie destruktiven Verhalten vor und lernen im “Normalbereich” zu bleiben. Begründet wurde sie von Dr. Marsha Linehan, die selbst eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hatte und die Methode entwickelte, um andere “aus dieser Hölle zu holen”.

  • Die schemafokussierte Therapie (SFT) führt die Entstehung einer Persönlichkeitsstörung auf schwierige Erlebnisse der Kindheit zurück. Daraus entwickeln Betroffene Schemata, die schwer zugänglich und mit sehr negativen Gefühlen verbunden sind. In der Therapie sollen diese unbewussten Muster geändert werden, damit Betroffene “gesund” agieren können.

  • Eine Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) vermutet das Hauptproblem in einer mangelnden Subjekt-Objekt-Differenzierung. Subjekt ist die Person mit BPD und Objekt der Partner oder das Gegenüber. Borderliner können ihr eigenes Erleben dabei nicht in einen verstehenden Zusammenhang bringen. Die Therapieform verbessert diese eigene Wahrnehmung durch eine Affekt- und Impulskontrolle, um die Beziehungsfähgigkeit zu verbessern.

  • Bei der Übertragungsfokussierten Psychotherapie (TFP) werden gestörte Subjekt-Objekt-Beziehungen aus der Kindheit auf den Psychotherapeuten übertragen. Im Hier und Jetzt sollen diese Projektionen durch symptomorientiertes Durcharbeiten reduziert werden.

  • Auch Traumatherapie unterstützt bei der Bewältigung und Integration der Lebensgeschichte. Dazu zählt beispielsweise das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR). Dabei erinnern sich Patienten an das traumatische Erlebnis und konzentrieren sich gleichzeitig auf einen äußeren Reiz, wie die Augenbewegung.

 

Mein Empfinden:

Ich mache schon sehr lange Therapie für meine Borderline-Störung und ich hatte sehr viele Therapeutinnen und Therapeuten mit unterschiedlichen Ansätzen. Wichtig ist: Macht eine Therapie! Ich habe meist auf Google recherchiert, wer an meinem Wohnort (der oft wechselte) gute Bewertungen hat. Ich sah mir die Website an, viele bieten ein kostenloses Erstgespräch an. Das nutzte ich und war dabei sehr ehrlich. Ich redete offen darüber, was mit mir los war.

Ich dachte immer: Je schneller ich alles auf den Tisch lege, desto schneller wird mir geholfen. Zusätzlich zahle ich dieser Person dafür, dass sie mir hilft UND: Die sind das gewohnt. Diese Einstellung nahm mir die Hemmung.

 

Es gibt mehrere von uns und mehrere von uns machen zum Glück Psychotherapie. So schlimm und beschämend manche Dinge für uns sind (ich weiß, wovon ich rede) - meine Therapeutinnen und Therapeuten gingen sehr behutsam mit meinen Themen und mir um.

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Mir half, eine Liste der Themen zu machen, die mir wichtig waren. So wussten beide Seiten, ob eine Zusammenarbeit klappen kann. Ich war ehrlich und spürte genau hin, ob ich meinem Gegenüber kann. Ich selbst habe wirklich so ziemlich alles ausprobiert, nach dem Motto: Schlimmer kann es nicht werden.

 

Zu Beginn half mir vor allem die Gesprächstherapie, um zu verstehen, was mit mir los ist. Ich nahm regelmäßig Medikamente, was mir sehr half. Es nahm mir die Spitzen der Stimmungsschwankungen. Dadurch konnte ich mich besser auf die Therapie einlassen und Inputs umsetzen. DBT half mir sehr mit schwierigen Situationen anders umzugehen. Ich kann meine Anspannungen nun besser spüren, zuordnen und ansprechen. Außerdem habe ich alles über Marsha Linehan inklusive ihrer Biografie "Build a life Worth living" gelesen. Lest das - sie ist eine von uns :)

 

EMDR half mir sehr, doch ich machte es erst später. Dafür braucht man eine gewisse Stabilität.

 

Du kannst das alles unter "Meine Überlebenshilfen" und meine "Rettungsanker" noch genauer durchlesen. 

Quellen: